Pädagogische Konzepte in der Kita: Montessori, Waldorf, Reggio und Co.

Aktualisiert am · Redaktion KitaNamen.de

Fast jede Kita beschreibt ihre Arbeit in einer Konzeption. Doch was steckt hinter Begriffen wie Montessori, Reggio oder offene Arbeit – und woran erkennt ihr beim Besuch, ob das Konzept im Alltag gelebt wird?

Das Wichtigste in Kürze

  • Alle Kitas arbeiten auf Grundlage des Bildungsplans ihres Bundeslandes, das Konzept setzt Schwerpunkte.
  • Viele Kitas mischen Ansätze, etwa „situationsorientiert mit Montessori-Elementen“.
  • Entscheidend ist, was ihr im Alltag seht: Räume, Tagesablauf und der Umgang mit den Kindern.

Die Konzepte auf einen Blick

Konzept Kernidee Das seht ihr im Alltag
Montessori „Hilf mir, es selbst zu tun.“ geordnete Regale, Montessori-Material, Kinder wählen Aufgaben selbst
Waldorf Rhythmus, Nachahmung, Fantasie feste Tages- und Jahresrhythmen, Naturmaterialien, Jahreszeitenfeste
Reggio Das Kind hat „hundert Sprachen“ Ateliers, Projekte, viel sichtbare Dokumentation an den Wänden
Situationsansatz Lernen an echten Lebenssituationen Projekte zu Themen, die die Kinder gerade beschäftigen
Offene Arbeit Selbstbestimmung, Funktionsräume Bauraum, Atelier, Bewegungsraum statt fester Gruppenräume
Wald- und Naturkita Natur als Lern- und Spielraum Tag überwiegend draußen, Bauwagen oder Hütte als Basis
Bewegungskita Lernen durch Bewegung Bewegungsbaustellen, tägliche Bewegungszeiten, oft Sportverein als Partner
Bilinguale Kita Zweite Sprache durch „Eintauchen“ eine Fachkraft spricht konsequent die zweite Sprache

Montessori

Die Ärztin und Pädagogin Maria Montessori stellte das selbstständige Lernen in den Mittelpunkt. In einer „vorbereiteten Umgebung“ finden Kinder Material, mit dem sie sich in ihrem eigenen Tempo beschäftigen – etwa zum Schütten, Sortieren oder Zählen. Die Fachkraft beobachtet und begleitet, statt vorzugeben. Gruppen sind oft altersgemischt.

Passt gut, wenn euer Kind gern konzentriert und selbstständig arbeitet. Namensideen: Montessori-Kitanamen.

Waldorf

Waldorfkindergärten gehen auf die Anthroposophie Rudolf Steiners zurück. Kleine Kinder lernen vor allem durch Nachahmung, deshalb sind ein wiederkehrender Tagesrhythmus, Reigen, Märchen und hauswirtschaftliche Tätigkeiten wichtig. Spielzeug besteht meist aus Naturmaterialien und lässt viel Raum für Fantasie; Jahreszeitenfeste strukturieren das Jahr.

Passt gut, wenn euch Rhythmus, Natur und künstlerisches Tun wichtig sind. Namensideen: Waldorf-Kitanamen.

Reggio-Pädagogik

Der Ansatz entstand nach dem Zweiten Weltkrieg in der italienischen Stadt Reggio Emilia und ist eng mit dem Pädagogen Loris Malaguzzi verbunden. Kinder gelten als kompetente Forscher, die sich in „hundert Sprachen“ ausdrücken – durch Malen, Bauen, Musik oder Theater. Der Raum gilt als „dritter Erzieher“. Projekte und ihre Dokumentation machen das Lernen sichtbar.

Passt gut, wenn euer Kind kreativ ist und gern Dingen auf den Grund geht.

Situationsansatz

Der Situationsansatz entstand in den 1970er-Jahren in Deutschland und ist bis heute weit verbreitet. Die Fachkräfte greifen Themen auf, die die Kinder gerade beschäftigen – ein neues Geschwisterkind, eine Baustelle vor der Tür, ein Umzug – und machen daraus Projekte. Kinder sollen so lernen, ihren Alltag selbstbestimmt und gemeinsam mit anderen zu gestalten.

Passt gut, wenn euch Alltagsnähe und Mitbestimmung der Kinder wichtig sind.

Offene Arbeit

Statt in festen Gruppenräumen spielen die Kinder in Funktionsräumen – zum Beispiel Atelier, Bauraum, Rollenspielraum oder Bewegungsraum – und wählen selbst, wo sie sein möchten. Viele Kitas arbeiten teiloffen: Es gibt eine Stammgruppe für Morgenkreis und Essen und offene Phasen am Tag. Für Funktionsräume braucht es übrigens auch Namen – Anregungen gibt es bei den Gruppennamen für Kitas.

Passt gut, wenn euer Kind gern selbst entscheidet und neugierig auf viele Angebote ist. Für sehr junge oder zurückhaltende Kinder fragt nach festen Bezugspersonen.

Wald- und Naturkindergarten

Im Waldkindergarten verbringen die Kinder den Tag bei fast jedem Wetter draußen; ein Bauwagen oder eine Hütte dient als Schutzraum. Statt fertigem Spielzeug gibt es Stöcke, Steine und Matsch. Naturkitas verbinden Haus und Garten mit viel Zeit im Freien, manchmal auch auf einem Bauernhof.

Passt gut, wenn euer Kind viel Bewegung braucht und ihr mit wetterfester Kleidung leben könnt. Namensideen: Natur- und Waldkitanamen.

Bewegungskita

Bewegungskitas – teils mit Zertifikat eines Landessportbundes – machen Bewegung zum Grundprinzip: tägliche Bewegungszeiten, Bewegungsbaustellen im Haus und oft eine Kooperation mit einem Sportverein. Die Idee dahinter: Bewegung fördert Wahrnehmung, Sprache und soziales Lernen.

Namensideen: Sport- und Bewegungskitanamen.

Bilinguale Kita

In bilingualen Kitas spricht meist eine Fachkraft konsequent eine zweite Sprache, etwa Englisch, Französisch oder Türkisch („Immersion“). Die Kinder lernen die Sprache nebenbei im Alltag, ohne Unterricht. Wichtig ist, dass die Fachkräfte die Sprache sehr gut beherrschen.

Namensideen: Bilinguale Kitanamen.

Weitere Ansätze, denen ihr begegnen könnt

  • Fröbel: geht auf den Erfinder des Kindergartens zurück; Spielgaben, Garten und gemeinsames Singen und Spielen.
  • Kneipp: Gesundheitsförderung nach den Bereichen Wasser, Bewegung, Ernährung, Heilpflanzen und Lebensordnung.
  • Pikler: vor allem in Krippen; freie Bewegungsentwicklung und achtsame, beziehungsvolle Pflege.

So erkennt ihr beim Besuch, ob das Konzept gelebt wird

  1. Bittet um die schriftliche Konzeption und fragt: Was davon sehe ich heute?
  2. Achtet auf die Räume: Können Kinder Material selbst erreichen? Hängen Werke der Kinder?
  3. Fragt nach einem typischen Tagesablauf – und wie viel davon die Kinder mitbestimmen.
  4. Fragt, wie Fachkräfte im Konzept fortgebildet werden, zum Beispiel mit einem Montessori-Diplom.
  5. Beobachtet, wie Fachkräfte mit Konflikten und mit weinenden Kindern umgehen.

Wie ihr einen Platz bekommt, steht in Kita-Platz finden; was die Betreuungsformen unterscheidet, in Krippe, Kita, Hort und Tagespflege.

Häufige Fragen

Welches pädagogische Konzept ist das beste für mein Kind?
Kein Konzept ist für alle Kinder das beste. Wichtiger als das Etikett sind die Menschen und der Alltag: Wie gehen die Fachkräfte mit den Kindern um, wie viel Zeit haben sie, wie wohl fühlt sich euer Kind? Viele Kitas kombinieren außerdem Elemente aus mehreren Ansätzen.
Was bedeutet „offenes Konzept“ in der Kita?
In offen arbeitenden Kitas gibt es statt fester Gruppenräume Funktionsräume, etwa ein Atelier, einen Bauraum oder einen Bewegungsraum. Die Kinder entscheiden weitgehend selbst, wo und womit sie spielen. Viele Kitas arbeiten teiloffen: mit Stammgruppe und offenen Phasen.
Sind Montessori- und Waldorfkitas teurer?
Nicht zwingend. Die Elternbeiträge richten sich nach den Regeln von Land und Kommune. Freie Träger können aber zusätzliche Beiträge erheben, zum Beispiel für Vereinsmitgliedschaft oder besonderes Material. Fragt bei der Anmeldung nach den Gesamtkosten.