Kita-Eingewöhnung: Die Modelle im Vergleich und Tipps für Eltern

Aktualisiert am · Redaktion KitaNamen.de

Die ersten Wochen in Krippe oder Kita sind für Kinder und Eltern aufregend. Eine behutsame Eingewöhnung sorgt dafür, dass euer Kind eine sichere Bindung zu einer Fachkraft aufbaut – die Grundlage dafür, dass es sich wohlfühlt und spielen und lernen kann.

Das Wichtigste in Kürze

  • Plant zwei bis vier Wochen ein, in denen ein Elternteil flexibel ist – besser mehr.
  • Am weitesten verbreitet ist das Berliner Modell, daneben das Münchener und das Tübinger Modell.
  • Verabschiedet euch immer – nicht heimlich gehen. Ein kurzes, gleiches Abschiedsritual hilft.

Warum eine Eingewöhnung wichtig ist

Kleine Kinder brauchen eine vertraute Person als „sichere Basis“, um Neues zu erkunden. In der Eingewöhnung überträgt sich diese Sicherheit Schritt für Schritt von euch auf eine Bezugsfachkraft. Erst wenn das gelungen ist, kann euer Kind in der Kita entspannt spielen, essen und schlafen.

Die Eingewöhnungsmodelle im Vergleich

Modell Grundidee Typische Dauer
Berliner Modell Feste Bezugsfachkraft, schrittweise Trennung nach festen Phasen etwa 1 bis 3 Wochen, je nach Kind
Münchener Modell Kind und Eltern lernen die ganze Gruppe und den Alltag kennen meist länger, mehrere Wochen
Tübinger Modell Mehrere Kinder werden gemeinsam eingewöhnt, die Gruppe gibt Halt mehrere Wochen

Das Berliner Modell

Das Berliner Eingewöhnungsmodell wurde vom Institut für angewandte Sozialisationsforschung (infans) entwickelt und ist in Deutschland am weitesten verbreitet. Es läuft in Phasen ab:

  1. Grundphase (etwa drei Tage): Ihr kommt mit eurem Kind für rund eine Stunde in die Kita und bleibt im Raum – als ruhiger „sicherer Hafen“, ohne selbst zu spielen. Es gibt noch keine Trennung.
  2. Erster Trennungsversuch (meist am vierten Tag, möglichst nicht an einem Montag): Ihr verabschiedet euch und verlasst den Raum für wenige Minuten. Wie euer Kind reagiert, entscheidet über die weitere Dauer.
  3. Stabilisierungsphase: Die Bezugsfachkraft übernimmt nach und nach Pflege, Essen und Trösten. Die Zeiten ohne euch werden länger.
  4. Schlussphase: Ihr seid nicht mehr in der Kita, aber jederzeit erreichbar. Die Eingewöhnung ist geschafft, wenn sich euer Kind von der Fachkraft trösten lässt.

Das Münchener Modell

Beim Münchener Modell lernen Kind und Eltern zunächst den gesamten Kita-Alltag und die ganze Gruppe kennen, nicht nur eine Bezugsperson. Eltern sind anfangs länger dabei und erleben Abläufe wie Essen, Spielen und Pflege mit. Die Trennung erfolgt später und behutsamer als beim Berliner Modell, die Eingewöhnung dauert dafür meist etwas länger. Am Ende steht ein Reflexionsgespräch zwischen Eltern und Fachkräften.

Das Tübinger Modell

Das Tübinger Modell setzt auf die Gruppe: Mehrere neue Kinder starten gleichzeitig mit ihren Eltern. Die Kinder geben sich gegenseitig Halt, Eltern tauschen sich aus, und die Fachkräfte begleiten die ganze Gruppe. Trennungen werden – wie bei den anderen Modellen – schrittweise und abgestimmt auf jedes Kind eingeführt.

Tipps für eine gute Eingewöhnung

  • Zeit einplanen: Beginnt die Arbeit nicht am Tag nach der Eingewöhnung, sondern lasst einen Puffer von ein bis zwei Wochen.
  • Eine Person, die durchgehend dabei ist: Vater, Mutter oder eine andere vertraute Person – aber möglichst immer dieselbe.
  • Abschiedsritual: kurz, liebevoll und jeden Tag gleich, etwa Winken am Fenster.
  • Nicht heimlich gehen: Das verunsichert Kinder mehr als ein kurzer, ehrlicher Abschied mit Tränen.
  • Vertrautes mitgeben: Kuscheltier, Schnuller oder ein Tuch, das nach zu Hause riecht.
  • Umbrüche entzerren: Wenn möglich nicht gleichzeitig mit Umzug, Geschwistergeburt oder Abstillen.
  • Ruhige Nachmittage: Kita-Tage sind anstrengend. Plant in den ersten Wochen wenige Termine.
  • Im Gespräch bleiben: Fragt täglich kurz nach, wie der Tag war. Viele Kitas nutzen dafür auch eine Kita-App.

Daran erkennt ihr, dass euer Kind angekommen ist

  • Es lässt sich nach dem Abschied von der Bezugsfachkraft trösten.
  • Es spielt, isst und schläft in der Kita.
  • Es sucht bei Kummer die Fachkraft auf.
  • Es freut sich, euch beim Abholen zu sehen – das ist ein gutes Zeichen, kein Rückschritt.

Rückschritte nach Krankheit oder Urlaub sind normal. Sprecht mit dem Team, wenn sich euer Kind über längere Zeit nicht beruhigen lässt, nicht isst oder schläft.

Checkliste für die ersten Kita-Wochen

  • Eingewöhnungszeit mit Arbeitgeber und Partner:in abgestimmt
  • Wechselkleidung, Hausschuhe, Matschhose und Windeln beschriftet
  • Kuscheltier oder Schnuller eingepackt
  • Masernschutz-Nachweis und Nachweis über die Impfberatung abgegeben (siehe Unterlagen bei der Aufnahme)
  • Abholberechtigte, Notfallnummern, Allergien und Medikamente angegeben
  • Ablauf und Bezugsfachkraft im Vorgespräch geklärt

Häufige Fragen

Wie lange dauert die Eingewöhnung in der Kita?
Meist zwei bis vier Wochen, bei manchen Kindern auch länger. Beim Berliner Modell wird nach dem ersten kurzen Trennungsversuch entschieden, ob eine kürzere oder längere Eingewöhnung sinnvoll ist. Krankheiten oder Urlaub können die Eingewöhnung verlängern. Plant deshalb großzügig Zeit ein.
Ist es schlimm, wenn mein Kind beim Abschied weint?
Nein. Weinen beim Abschied ist ein normales Zeichen von Bindung. Wichtig ist, dass sich euer Kind danach von der Bezugsfachkraft trösten lässt und wieder ins Spiel findet. Sprecht mit dem Team, wenn euer Kind sich über längere Zeit nicht beruhigen lässt.
Kann auch ein anderer Elternteil oder die Oma eingewöhnen?
Ja. Wichtig ist, dass dieselbe vertraute Person die gesamte Eingewöhnung begleitet. Ein Wechsel mitten in der Eingewöhnung kann das Kind verunsichern.
Gibt es auch in der Kindertagespflege eine Eingewöhnung?
Ja. Auch Tagesmütter und Tagesväter gewöhnen Kinder schrittweise ein, oft nach einer angepassten Form des Berliner Modells.

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