Kinder bei der Namenswahl mitbestimmen lassen

Demokratie lernt man am besten durch Erleben. Wenn Kinder bei der Namensfindung ihrer Kita mitreden dürfen, erfahren sie: Meine Stimme zählt! Dieser Leitfaden zeigt kindgerechte, spielerische Methoden für echte Partizipation.

Warum sollten Kinder mitentscheiden?

Pädagogische Gründe

  • Demokratiebildung: Abstimmungen, Mehrheitsprinzip, Kompromisse erleben
  • Selbstwirksamkeit: "Ich kann etwas bewirken!"
  • Sprachförderung: Begründungen formulieren, diskutieren
  • Identifikation: "Das ist MEINE Kita mit MEINEM Namen"
  • Partizipation: Echte Beteiligung statt Alibi-Veranstaltung

Praktische Vorteile

  • Bessere Akzeptanz: Kinder nutzen den Namen aktiv
  • Kreativität: Unerwartete, originelle Ideen
  • Authentizität: Kinderperspektive wird sichtbar
  • Marketing: "Von Kindern für Kinder gewählt"
  • Spaß: Der Prozess wird zum Event!
Wichtig: Kinder brauchen einen altersentsprechenden Rahmen! Nicht alle Entscheidungen können Kinder treffen. Aber sie können zwischen sinnvollen Optionen wählen.

Altersgerechte Beteiligung

0-2 Jahre (Krippe)

Realistische Beteiligung: Beobachtung statt aktive Wahl

  • Bilder zu potenziellen Namen zeigen und Reaktionen beobachten
  • Namen vorsingen und schauen, welche gut ankommen
  • "Symbolische Abstimmung": Handabdruck bei Lieblingsbild
  • Wichtig: Dokumentation für Eltern ("Die Krippenkinder haben so reagiert...")

3-4 Jahre (Kindergarten)

Beteiligungsform: Auswahl zwischen 2-3 einfachen Optionen

  • Bilder-Abstimmung: Jedes Kind klebt Punkt auf Favoriten
  • Geschichten zu jedem Namen erzählen
  • "Welches Tier/Welche Farbe gefällt dir besser?"
  • Namen mit Bewegungen verbinden (welche Bewegung macht mehr Spaß?)

5-6 Jahre (Vorschule)

Beteiligungsform: Aktive Mitgestaltung und Abstimmung

  • Eigene Namensideen einbringen
  • Begründungen formulieren: "Ich mag ... weil ..."
  • Demokratische Abstimmung verstehen und durchführen
  • Kompromisse finden bei knappen Ergebnissen
  • Minderheitenschutz: "Auch die andere Meinung ist okay"

Methode 1: Bilder-Voting (3-6 Jahre)

Vorbereitung: Erwachsene wählen 3-5 Namen vor

Material:

  • Große Plakate mit Bildern zu jedem Namen
    • "Waldwichtel" → Bild von Zwergen im Wald
    • "Sonnenschein" → Strahlende Sonne
    • "Regenbogen" → Bunter Regenbogen
  • Klebepunkte oder selbstklebende Smileys
  • Ggf. Fotos der Kinder als "Stimmzettel"

Ablauf (30-45 Min.):

  1. Einführung im Morgenkreis (10 Min.):

    "Unsere Kita braucht einen Namen! Ihr dürft mitentscheiden. Ich stelle euch jetzt drei Namen vor und ihr wählt euren Favoriten."

  2. Namen vorstellen (10 Min.):
    • Jedes Plakat zeigen
    • Geschichte dazu erzählen
    • Name gemeinsam sprechen/singen
  3. Abstimmung (15 Min.):
    • Plakate nebeneinander an Wand
    • Jedes Kind bekommt einen Klebepunkt
    • Nacheinander (!) zum Lieblingsbild gehen und Punkt aufkleben
    • Erzieher*in begleitet: "Du klebst deinen Punkt zu 'Waldwichtel'? Warum gefällt dir der am besten?"
  4. Auszählen (5 Min.):
    • Gemeinsam Punkte zählen
    • "Waldwichtel hat 12 Punkte, Sonnenschein hat 8 Punkte..."
    • Sieger verkünden und feiern!
  5. Nachgespräch (5 Min.):

    "Wir haben demokratisch abgestimmt. Die meisten Kinder mögen 'Waldwichtel'. Aber auch 'Sonnenschein' ist schön – 8 Kinder haben dafür gestimmt. Alle Meinungen sind wichtig!"

Variante für Krippe: Statt Klebepunkten: Jedes Kind legt einen Baustein/Stein zu seinem Favoriten. Sichtbare "Türme" entstehen.

Methode 2: Namen-Geschichten erfinden (5-6 Jahre)

Ziel: Kinder entwickeln eigene Namensideen und wählen gemeinsam

Ablauf über mehrere Tage:

Tag 1: Ideensammlung

"Was könnten gute Namen für unsere Kita sein?"

  • Brainstorming im Morgenkreis
  • Jedes Kind darf eine Idee nennen (keine Bewertung!)
  • Erzieher*in schreibt alle Ideen auf großes Plakat
  • Oft entstehen: Tiernamen, Farben, Fantasiewesen

Tag 2: Geschichten erfinden

In Kleingruppen (4-5 Kinder) wird zu 3 ausgewählten Namen eine Geschichte erfunden:

  • "Es war einmal eine Kita, die hieß 'Drachenhöhle'. Und wisst ihr, warum?"
  • Kinder erfinden gemeinsam weiter
  • Erzieher*in schreibt mit oder nimmt auf
  • Optional: Kinder malen Bilder zur Geschichte

Tag 3: Präsentation

  • Jede Gruppe präsentiert ihre Geschichte (mit Bildern)
  • Alle hören zu
  • "Theater-Aufführung": Geschichte wird nachgespielt

Tag 4: Abstimmung

  • Demokratische Wahl (Handzeichen oder geheime Wahl mit Stimmzetteln)
  • Bei Vorschulkindern: Echte "Wahlkabine" mit Karton basteln
  • Jedes Kind bekommt "Stimmzettel" mit Bildsymbolen
  • Kreuzt Favoriten an
  • Gemeinsames Auszählen

Tag 5: Feier

  • Sieger-Name wird verkündet
  • Kuchen/besonderes Frühstück
  • Gemeinsam ein Lied zum neuen Namen erfinden
  • Urkunde für jedes Kind: "Ich habe unseren Kitanamen mitbestimmt!"

Methode 3: Namen "ertasten" und erleben (3-5 Jahre)

Multisensorischer Zugang für Kinder, die Namen nicht nur hören, sondern erleben sollen.

Stationen aufbauen:

Station "Waldwichtel"

  • Tannenzapfen, Moos, Stöcke
  • Walddüfte (Kiefernduft)
  • Zwergen-Verkleidung
  • Waldgeräusche (Audio)

Station "Sonnenschein"

  • Gelbe/orange Tücher
  • Wärmflasche (Wärme spüren)
  • Sonnenblumen
  • Fröhliche Musik

Station "Regenbogen"

  • Bunte Tücher/Seidenpapier
  • Prisma (Lichteffekte)
  • Regenbogen-Bild malen
  • Regenbogen-Lied

Station "Sternschnuppe"

  • Glitzersterne
  • Dunkler Raum mit Lichterkette
  • Sternen-Projektor
  • Leise, träumerische Musik

Ablauf:

  1. Kinder besuchen alle Stationen (je 10 Min.)
  2. An jeder Station: Erleben, spielen, fühlen
  3. Danach: "Welche Station hat dir am besten gefallen?"
  4. Kinder legen Muggelstein/Baustein zu Favoriten-Station
  5. Gemeinsames Auszählen

Methode 4: Kinder-Parlament (5-6 Jahre)

Für Vorschulkinder: Demokratie "wie bei den Großen" erleben

Vorbereitung:

  • Raum wie "Parlament" gestalten (Stuhlkreis, "Rednerpult")
  • Spielregeln erklären: Melden, ausreden lassen, abstimmen
  • Moderator*in (Kind oder Erwachsene) leitet

Ablauf (45-60 Min.):

  1. Eröffnung: "Heute sind wir das Kinder-Parlament. Wir entscheiden über unseren Kitanamen!"
  2. Kandidaten vorstellen: 3-4 Namen mit Begründung
    • Erzieher*in oder einzelne Kinder stellen Namen vor
    • "Warum könnte dieser Name gut sein?"
  3. Diskussion:
    • Wer möchte etwas sagen, meldet sich
    • Jedes Kind darf Meinung äußern
    • "Ich finde ... gut, weil..."
    • "Ich bin gegen ..., weil..."
  4. Geheime Wahl:
    • "Wahlkabine" aus Pappkarton
    • Stimmzettel mit Symbolen
    • Wahlurne (dekorierte Schuhkarton)
    • Jedes Kind geht einzeln wählen
  5. Auszählung (transparent!):
    • Alle schauen zu
    • Kinder zählen mit (Mathematik!)
    • Ergebnis wird dokumentiert
  6. Verkündung & Feier:
    • "Unser neuer Name ist... WALDWICHTEL!"
    • Applaus, Jubel
    • Gemeinsam Name rufen
Pädagogischer Mehrwert: Kinder lernen Demokratie hautnah – Meinungsbildung, Kompromiss, Mehrheitsentscheidung, Akzeptanz des Ergebnisses.

Was tun, wenn Kinder "unmögliche" Namen wollen?

Kinder schlagen manchmal Namen vor, die nicht realistisch sind ("Pups-Kita", "Schokokuchenkindergarten"). So gehen Sie damit um:

Strategie 1: Vorauswahl durch Erwachsene

Kinder wählen nur zwischen sinnvollen Optionen, die Erwachsene vorher ausgewählt haben.

Transparent kommunizieren: "Wir haben schon ein bisschen überlegt und drei schöne Namen gefunden. Ihr dürft jetzt wählen, welcher am besten ist!"

Strategie 2: Kriterien gemeinsam erarbeiten

"Was muss ein guter Kitaname können?"

  • Schön klingen
  • Nicht gemein sein
  • Auch Erwachsenen gefallen
  • Lange halten (nicht wie "Lieblings-Spielzeug", das man bald nicht mehr mag)

→ Kinder verstehen: "Pups-Kita" erfüllt Kriterien nicht

Strategie 3: Umlenken & Inspirieren

"'Schokokuchenkindergarten' ist lustig! Was magst du an Schokokuchen? → Süß, lecker, macht glücklich"

→ Daraus wird: "Glückskindergarten", "Sonnenschein-Kita"

Dokumentation: Kinder-Beteiligung sichtbar machen

  • Fotos: Vom Abstimmungsprozess
  • Portfolio: Jedes Kind bekommt Seite: "So habe ich mitbestimmt"
  • Aushang: "So haben unsere Kinder abgestimmt" (mit Fotos, Zitaten)
  • Eltern-Info: Newsletter mit Beschreibung des Prozesses
  • Webseite/Social Media: "Von Kindern gewählt: Unser Name ist..."
Tipp: Erstellen Sie ein "Wahl-Buch" mit Fotos und Zitaten der Kinder. Dieses kann später im Eingangsbereich liegen und neuen Familien zeigen: "Hier dürfen Kinder mitentscheiden!"

Häufige Fragen

Ist das Ergebnis bindend?

Das hängt von Ihrer Zielsetzung ab. Wenn Sie vorab sagen "Ihr entscheidet!", dann sollte das Ergebnis bindend sein (innerhalb sinnvoller Grenzen). Wenn es nur um Input geht, klar kommunizieren: "Wir hören eure Meinung und überlegen dann."

Was, wenn das Ergebnis knapp ist (z.B. 12 vs. 11 Stimmen)?

Pädagogische Chance! Besprechen: "Ganz viele mochten beide Namen. Beide sind toll. Aber eine Kita kann nur einen Namen haben. Deshalb gewinnt 'Waldwichtel' mit 12 Stimmen. Seid ihr damit einverstanden?" → Kompromissbereitschaft üben.

Wie lange dauert so ein Prozess?

Methode 1 (Bilder-Voting): 30-45 Minuten. Methode 2 (Geschichten): 5 Tage à 20-30 Minuten. Wichtig: Nicht hetzen! Kinder brauchen Zeit zum Nachdenken.

Weitere Praxis-Guides

Vertiefen Sie Ihren Namensfindungsprozess mit unseren weiteren Ratgebern:

Weitere Inspiration gesucht?

Nutzen Sie unseren kostenlosen Kitanamen-Generator für kindgerechte Namensideen. Oder durchstöbern Sie unsere Top 100 Kitanamen für bewährte Beispiele.

Grundsätzliche Tipps zur Namensfindung finden Sie in unserem Leitfaden 5 Schritte zum perfekten Kitanamen.